Mai 14

From Volume to Value: Spitzenqualität mit Patient Reported Outcomes

Relevanz und Nutzen von Patient Reported Outcomes Measures (PROMs) und Value-based Healthcare (VBHC)

Patient Reported Outcomes gelten als Zukunft für eine bessere Versorgung. Doch warum sollte man sich mit einer Einführung in der eigenen Klinik schon jetzt beschäftigen und welche Rolle spielt dabei das Thema Value-based Healthcare?

Wir erklären was PRO, PROMs, VBHC und Co bedeuten und berichten über den medizinischen und wirtschaftlichen Nutzen sowie die wichtigsten Aspekte für eine Erfassung von Patient Reported Outcomes ohne Mehraufwand.

Patienten mit gesteigerter Lebensqualität

Patient Reported Outcomes machen das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Patienten für Kliniken messbar.

Qualität im deutschen Gesundheitswesen wird bis heute maßgeblich über die Abwesenheit von Fehlern definiert. Niedrige Komplikationsraten und, je nach Eingriff, niedrige Sterblichkeitsraten gelten immer noch als wichtigstes Anzeichen für eine gute Behandlungsqualität.

Es mag zwar einen Zusammenhang zwischen niedrigen Fehlerraten und einem besseren Outcome geben, wirklichen Behandlungserfolg garantieren sie aber nicht und spiegeln ihn nicht direkt wieder. Außen vor bleibt nämlich die Meinung und Sicht, die eigentlich den größten Wert haben sollte: die des einzelnen Patienten.


Patient Reported Outcomes – Möglicher Goldstandard der Zukunft

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie, sollte neben möglichen Therapierisiken vor allem die potenzielle Verbesserung der Lebensqualität des Patienten in den Fokus gerückt werden. Im Sinne des Shared Decision Making-Modells ist es für den Patienten dabei entscheidend zu verstehen, inwiefern eine etwaige Therapie beispielsweise zu einer Schmerzreduktion oder gesteigerten Mobilität führt. Dies ist der Ansatzpunkt von Patient Reported Outcome Measures (PROMs bzw. PROs).

In Form von Patientenfragebögen stellen PROs die subjektive Beurteilung von Patienten zu verschiedensten Aspekten ihrer Gesundheit und Lebensqualität dar. Je nach eingesetztem PRO können so z.B. Schmerzniveau, alltägliche körperliche Funktion oder emotionale Belastung gemessen werden. Durch den Einsatz von wissenschaftlich validierten PROs können die Aussagen der Patienten letztlich in Punktzahlen, sogenannte Scores, überführt und dadurch der aktuelle Gesundheitszustand des Patienten dargestellt werden. Eine Erhebung zu mehreren Zeitpunkten ermöglicht anschließend beispielsweise einen Vergleich zwischen prä- und posttherapeutischem Zustand.

Geschieht die Erhebung von PROs im Vorfeld schon zu Hause über E-Mail oder im Wartezimmer über Tablets, können Arzt und Patient in der Sprechstunde gemeinsam über die Ergebnisse sprechen und den Behandlungsverlauf bewerten. Entwickelt sich der Score bzw. der Gesundheitszustand des Patienten nicht wie erwartet, könnte man somit frühzeitig intervenieren.

Krebspatienten des Memorial Sloan Kettering Cancer Center hatten mit aktivem PRO Monitoring eine um durchschnittlich 5,5 Monate längere Überlebensdauer

Im Bereich der Onkologie konnte das Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York letztes Jahr zeigen, dass ihre Krebspatienten mit aktivem Monitoring mit PROs eine um durchschnittlich 5,5 Monate längere Überlebensdauer hatten (Basch et al., 2017).

Return on Investment – Qualität gewinnt

Patient Reported Outcomes sind ein fundamentaler Baustein des Value-Based Healthcare Modells. Man muss sie als wichtigen Indikator von Behandlungsqualität in die Gesundheitsversorgung aufnehmen und analysieren, mit welchen Mitteln und Kosten, welche Veränderung der Lebensqualität der Patienten erreicht wird. Somit kristallisiert sich heraus, welche Therapien medizinisch wirklich sinnvoll sind und wie man den Einsatz der begrenzten finanziellen Ressourcen optimieren kann. Dies bietet letztendlich die einzigartige Möglichkeit von finanziellen Einsparungen bei gleichzeitiger Erhöhung der Behandlungsqualität – die wirtschaftliche und medizinische Leistung steigt.

Darüber hinaus steht diese Entwicklung im Einklang mit dem Krankenhausstrukturgesetz, das die Budgetierung von Kliniken zukünftig zunehmender von ihren Behandlungsergebnissen abhängig machen wird: Qualität gewinnt.

Hoher Wettbewerbsdruck für Kliniken in Deutschland

In der aktuellen Zeit, in der ein hoher Wettbewerbsdruck Kliniken deutschlandweit in wirtschaftliche Bedrängnis bringt, müssen sich die Akteure neu positionieren, um auf dem Markt langfristig bestehen zu können.

Für die Geschäftsführung der Kliniken führt dies unweigerlich zur Umverteilung oder Kürzung von Ressourcen, ohne jedoch das Wohl der Patienten in Deutschland vernachlässigen zu dürfen. Kliniken müssen in diesem Prozess die größtmögliche Behandlungsqualität bieten und sie den Patienten und ihren einweisenden Ärzten erfolgreich kommunizieren. Das schafft Vertrauen und stellt einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Gesundheitswesen von heute und morgen dar.

Dieser gesamte Weg muss gemeinsam von Patienten, Ärzten und Kliniken mit PROs für ein nachhaltigeres Gesundheitssystem gegangen werden.

About The Author

Yannik Schreckenberger | |
Co-Founder & CEO bei Heartbeat, ehem. Hacking Health Berlin Lead Organisator, Physiker und Tech Enthusiast.