Okt 14

Knie-TEP Zufriedenheit – Einflussfaktoren wurden mit PROMs evaluiert.

Landesweite Studie in Schweden untersucht Voraussetzungen für Zufriedenheit mit einer Knie-TEP

Mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen in Deutschland nimmt auch die Anzahl der Patienten mit Arthrose (fortschreitende Zerstörung des hyalinen Gelenkknorpels unter Beteiligung von Bändern, Muskulatur und Kapsel) stetig zu1,2. So ermittelte das Robert Koch Institut (RKI) 2012 in einer Studie zur Arthrose eine selbstberichtete 12-Monats Prävalenz (Vorhandensein von Symptomen auch in den letzten 12 Monaten) dieser von 23,8% in Deutschland1. Das Knie (Gonarthrose) macht davon, laut der in einem ähnlichen Zeitraum vom RKI durchgeführten DGES1 Studie, „mehr als die Hälfte“ aller Fälle aus3.

Lebenszeitprävalenz der Arthrose in Deutschland mit steigendem Alter (RKI, 2010)

Lebenszeitprävalenz der Arthrose in Deutschland mit steigendem Alter4 (RKI, 2010)

Grundsätzlich gelten Frauen, ältere, genetisch vorbelastete und übergewichtige Menschen als besonders gefährdet. Die Folgen einer Kniearthrose bleiben für viele Betroffene aber gleich.2 Patienten können Symptome entwickeln, die von geschwollenen Knien, einem Instabilitätsgefühl sowie zunächst belastungsabhängige, bohrende Schmerzen – v.A. der sog. Anlaufschmerz – bis hin zu Dauerschmerzen und einem eingeschränkten Bewegungsumfang reichen. Schließlich können auch gewohnte Tätigkeiten wie Einkaufen, Autofahren oder Arbeiten immer mühsamer und irgendwann trotz Medikamenteneinnahme, Physiotherapie und anderen konservativen Maßnahmen unmöglich werden.5

Einige Patienten sind nach der Knie-TEP nicht zufrieden

Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen die betroffenen Patienten entscheiden: künstliches Knie – ja oder nein?
Grundsätzlich verspricht eine Knie-Prothese (z.B.: die TEP (Totalendoprothese)) eine signifikante Funktionsbesserung und Schmerzreduktion.6 Sie zählt zu einem der Standardeingriffe in deutschen Krankenhäusern und weltweit. Aber trotzdem sind je nach Studie durchschnittlich 20% der operierten Patienten auch Jahre nach der Prothesenimplantation unzufrieden und nur 22% uneingeschränkt zufrieden mit dem Ergebnis.7,8 So ist in Deutschland bei konstant steigenden Prothese-Operationen zwar nicht der Eingriff selbst, sehr wohl aber dessen Häufigkeit durchaus umstritten.9 Eine solche unumkehrbare Maßnahme sollte also gut durchdacht werden.

„Umso wichtiger ist es, dass Patienten bei der Entscheidung für oder gegen einen Gelenkersatz ein Mitspracherecht haben“

-Prof. Dr. med. Erika Gromnica-Ihle (Deutsche Rheuma-Liga)10

Eine 2018 erschienene Studie der Bertelsmann Stiftung bringt die Situation auf den Punkt11. Die Autoren beobachten neben den steigenden Operationszahlen (v.A. von Menschen unter 60 Jahren) große regionale Unterschiede und monieren u.a. die zu großzügige Entlohnung – und damit Förderung – einer OP durch das DRG System, statt auch konservative Therapien zu stärken. Zwischen Forschern und Medizinern besteht hier Einigkeit. Doch neben gesundheitspolitischen Maßnahmen12 ist es auch wichtig, besser diejenigen Patienten zu selektieren, welche verstärkt von einem künstlichen Gelenk profitieren.

S2k Leitlinie: Wann Kniegelenksersatz?

1. Der Schmerz besteht seit mindestens 3 bis 6 Monaten dauerhaft oder mehrmals wöchentlich unter Belastung

2. Die Schäden am Gelenk müssen auf dem Röntgenbild deutlich sichtbar sein.

3. Konservative Maßnahmen (Medikamente, Bewegung, Krankengymnastik…) können über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten den Schmerz nicht mehr ausreichend lindern.

4. Die Schmerzen schränken den Patienten im täglichen Leben so stark ein, dass er nicht mehr bereit ist, sich mit ihnen abzufinden.

Quelle: S2k Patientenleitlinie Indikation Knieendoprothese 13

Hier setzt nun eine schwedische Studie aus dem Jahr 2010 an14. Die Autoren wollten herausfinden, ob man Unzufriedenheit ein Jahr nach einer TEP mithilfe von Patient Reported Outcome Measures (PROMs), also Patientenbefragungen mit verschiedenen Fragebögen, vor dem Eingriff vorhersagen kann. In den Jahren 2006 und 2008 wurden so insgesamt 1217 Patienten vor und 6 Monate nach ihrer Operation mittels des SF-12 health questionnaire und des Oxford Knee Scores befragt.

PROMs geben Anhalt für Zufriedenheit mit einer Knie-TEP

Wie in vielen anderen Studien zuvor, waren die Schmerzreduktion nach 6 Monaten und die Erwartungen des Patienten vor der OP (Oxford Knee Score) am wichtigsten für die Zufriedenheit mit der Prothese nach einem Jahr.7,14 Darüber hinaus konnten die Ärzte aber Depression, Schmerzen in anderen Gelenken und schlechtere präoperative Werte in der mentalen Komponente des SF-12 mit mehr Unzufriedenheit korrelieren.

Somit könnten PROMs wie der SF-12 im Sinne eines Value Based Healthcare Konzeptes auch in Deutschland zu einer individualisierteren, umfassenderen Entscheidungsfindung bei Knie-Prothesen beitragen – und damit langfristig zu mehr Zufriedenheit mit den künstlichen Gelenken. Natürlich gibt es weiter noch viel Verbesserungsbedarf und der Einsatz PROMs alleine ist nur ein kleiner Baustein in einem komplexen Problemfeld. Dass diese Art der Ergebnisbeurteilung allerdings schon ganz konkrete Konsequenzen bei Knie-OPs in England hat, zeugt aber von ihrem Wert.

Quellen

      1. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsF/Geda2012/Arthrose.pdf?__blob=publicationFile
      2. https://www.aerzteblatt.de/archiv/67922/Epidemiologie-Aetiologie-Diagnostik-und-Therapie-der-Gonarthrose
      3. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1500/24ZsqC2a9dzqQ.pdf?sequence=1&isAllowed=y
      4. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/arthrose.pdf?__blob=publicationFile
      5. https://www.amboss.com/de/library#xid=bT0H62&anker=Ze89fc0fb82f206a31121233c86df40b5
      6. Skou ST, Roos EM, Laursen MB, et al. A randomized, controlled trial of total knee replacement. N Engl J Med. 2015;373:1597–606.
      7. Kahlenberg CA, Nwachukwu BU, McLawhorn AS, Cross MB, Cornell CN, Padgett DE. Patient Satisfaction After Total Knee Replacement: A Systematic Review. HSS J 2018;14(2):192-201.
      8. Baker PN, Rushton S, Jameson SS, Reed M, Gregg P, Deehan DJ. Patient satisfaction with total knee replacement cannot be predicted from pre-operative variables alone: a cohort study from the National Joint Registry for England and Wales. Bone Joint J 2013;95-B(10):1359-65.
      9. https://www.aerzteblatt.de/archiv/196421/Knie-Totalendoprothesen-Ein-anspruchsvoller-Gelenkersatz
      10. https://dkou.org/pressemeldungen/#tab-id-3
      11. https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV_Publikation_Knieprothesen_final.pdf
      12. https://www.bvou.net/kritik-an-knie-ops-gruende-fuer-die-mengensteigerungen/?parent_cat=18
      13. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/033-052.html
      14. Scott CE, Howie CR, MacDonald D, Biant LC. Predicting dissatisfaction following total knee replacement: a prospective study of 1217 patients. J Bone Joint Surg Br 2010;92:1253–1258.

     

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Lion Thiel |
Medizinstudium an der Charité und Werksstudent, heartbeat medical