Aug 09

Was ist der PROMIS Score?

Alle Infos zum Patient Reported Outcome Measurement Information System
Ein PROMIS Score mit dem System von heartbeat ONE

Was ist der PROMIS Score? Diese Frage sollten sich die meisten Mediziner stellen, wenn sie das erste Mal auf das sogenannte Patient Reported Outcome Measurement Information System stoßen. Das System ist so neu, dass selbst Veteranen der klinischen Forschung noch nichts von ihm mitbekommen haben. Angesichts dessen, dass es aber die Zukunft der Patient Reported Outcomes revolutionieren könnte, hat das Thema größte Relevanz.

Roadmap of medical research in the 21st century

Unter der Initiative und Federführung von Dr. Elias A. Zerhouni, dem damaligen Direktor des National Institute of Health der USA (NIH), entwickelte die NIH von 2002 bis 2003 eine „Roadmap für die medizinische Forschung des 21. Jahrhunderts“, um sie in Zukunft wesentlich effektiver und produktiver zu gestalten. Diese „Roadmap“ sah dafür aussichtsreiche Möglichkeiten in 3 Bereichen:

  1. Neue Pfade für Entdeckungen
  2. Forschungsteams der Zukunft
  3. Neugestaltung der klinischen Forschung1

 

Um dieser Roadmap im Bereich der Neugestaltung der klinischen Forschung zu folgen, wurde 2004 das Patient Reported Outcome Measurement Information System (PROMIS) ins Leben gerufen, um erstmalig ein dynamisches, valides und standardisiertes Tool zu entwickeln, das über moderne technische Lösungen effektiv den Gesundheitszustand und deren Entwicklung bei unterschiedlichsten Patientengruppen messen und vergleichen kann.

Mit Fördermitteln des NIH in Höhe von über 10 Millionen Dollar, haben weltweit führende Spezialisten des Gebietes der Patient Reported Outcomes (PRO) schließlich jahrelang das PROMIS in den USA aufgebaut und in Studien an einer repräsentativen und umfangreichen US-amerikanischen Kohorte geprüft und weiterentwickelt.2-8 Diese Weiterentwicklung ist für die Forscher der PROMIS-Gruppe ein fortwährender Prozess, um das PROMIS stetig zu verbessern.9,10

PROMIS Item Banks

Die World Health Organization definiert die Gesundheit eines Menschen als „Zustand des vollkommenen physischen, mentalen und sozialen Wohlergehens“.11 Auf dieser Grundlage hat die PROMIS-Gruppe Domänen und Subdomänen ermittelt, mit denen man nach ihren Ergebnissen diese 3 Gesundheitsdimensionen bei Patienten am besten abbilden kann.

PROMIS Score Item Banks

Darstellung des PROMIS mit Domänen, Subdomänen und Item Banks, basierend auf dem Stand der PROMIS Feldstudie von Cella et al. 2010.9 In der Zukunft ist zu erwarten, dass sich an den Domänen/Subdomänen/Item Banks Veränderungen ergeben werden.

Im nächsten Schritt wurde eine „Item Library“ gebildet, in der sie Fragen (Items) aus bereits validierten Patient Reported Outcome-Instrumenten zusammengestellt haben, die die obigen Domänen und/oder ihre Subdomänen wiederspiegeln. Nach einem ausführlichen Revisionsprozess durch die PROMIS-Gruppe, in denen auch Patientenbefragungen durchgeführt wurden, wurden für jede Domäne eigene „Item Banks“ entwickelt, die aus den verbleibenden geeignetsten Items besteht.10 Jede Item Bank ist ein eigenständiger PROMIS-Score. Mit diesen Scores bildet man über Patientenbefragungen, abhängig von den individuellen Antworten der Patienten, skalierte Punktzahlen, anhand derer man schließlich den Zustand des Patienten, bezogen auf einer der obigen Domänen, wiedergeben kann. Überdies kann man je nach Fragestellungen Item Banks flexibel miteinander verbinden, was es in dieser Form für Patient Reported Outcome Measurements (PROM) noch nicht gibt.

Die Zeitperiode, auf die sich die PROMIS-Scores in ihren Items beziehen, beträgt 7 Tage. Sie wurde so gewählt, dass die Korrelation zwischen den Antworten des Patienten über die Symptome der letzten 7 Tage und dem jetzigen Zeitpunkt möglichst hoch ist. Dazu beziehen sie sich auf 2 Studien, in denen die Korrelation jeweils bei 7 und 14 Tagen noch sehr hoch war.12,13 Eine Ausnahme macht die PROMIS-Gruppe hierbei bei der physischen Funktion, bei der sie den aktuellen Zustand abfragen.

Die Antwortmöglichkeiten wurden bei fast allen Items auf 5 Optionen beschränkt. Dabei hat man sich auf eine ältere psychologische Studie und Analysen größerer Datenmengen bezogen.14 Auch diese wurden an Patienten im vornherein getestet, um deren inhaltliche Klarheit sicherzustellen.

PROMIS Short Form

Darüber hinaus wurde für jede Item Bank auch eine „Short Form“ erstellt, mit der man versucht hat, die Anzahl an Items innerhalb der jeweiligen Item Banks deutlich zu reduzieren, ohne die Aussagekraft des dadurch entstehenden Scores in gekürzter Form signifikant zu verringern. Die Länge der Short Forms beträgt jeweils 6 bis 10 Items. Mehr zum PROMIS Global Health 10 Score hier.

PROMIS Computerized Adaptive Testing (CAT)

Alle Item Banks wurden so konzipiert, dass man sie über Computerized Adaptive Testing (CAT) erheben kann. CAT ist ein Computer-basiertes System, das sich an den Patienten, der die Befragung beantwortet, anpassen kann. Dazu wertet er die vorangegangenen Antworten des Patienten aus und wählt zukünftige Fragen so aus, dass sie für den Patienten angemessen zu beantworten sind. Antwortet der Patient beispielsweise, dass er bei geringer Belastung Luftnot bekommt, wird das Testsystem nicht fragen, wie schnell er einen Marathon absolviert, sondern beispielsweise, wie viele Meter er noch ununterbrochen gehen kann. Großer Vorteil des Systems ist, dass beispielsweise aus einem Fragepool von 100 Fragen nicht jede Frage beantwortet werden muss, sondern angepasst an den Patienten nur eine kleinere Auswahl an Fragen. Dadurch reduziert sich der Patientenaufwand und die Befragungszeit erheblich.

PROMIS Score Computerized Adaptive Testings

Die Flowchart zeigt den Algorithmus des Computerized Adaptive Testings (CAT). Das CAT versucht den Patienten durch gezielte Einschätzung und Auswahl der Items aus der Item Bank so zu beurteilen, dass sie mit möglichst wenig Schritten den adäquaten Endpunkt innerhalb der Item Bank findet.

PROMIS Evaluation und Validierung (Feldstudie)

Über eine größere Feldstudie mit 21.133 Patienten, in der man 11 Item Banks in vollständiger Fassung und Short Form getestet, kalibriert, korrigiert und erstmalig validiert hat, konnte die PROMIS-Gruppe zeigen, dass es sehr starke Korrelationen zwischen den Item Banks in kompletter Form und ihrer jeweiligen Short Form gibt, sodass die Short Forms auch aussagekräftige Scores darstellen.

Außerdem zeigte sich, dass die statistische Genauigkeit der Messungen der Item Banks insgesamt hoch, während der Stichprobenfehler gering war, was für eine gute Methodik spricht.

Am wichtigsten jedoch ist, dass die jeweiligen Item Banks starke Korrelationen mit spezifischen, validierten Patient Reported Outcome-Instrumenten aus dem jeweiligen Bereich zeigen konnten, was ein erstes Indiz für die Aussagekraft des PROMIS-Scores ist.

Zu guter Letzt hat die PROMIS-Gruppe auf Grundlage ihrer Studiendaten eine Scoring-Tabelle über eine T-Score metric entwickelt. Mit dieser kann man die Punktzahlen anhand der Scoring-Tabelle in einen T-Score umrechnen, um das Ergebnis des PROMIS-Scores der Patienten einordnen zu können.9

PROMIS Score Fazit

Insgesamt ist das PROMIS ein System, das von führenden Spezialisten unter unvergleichlichem finanziellen Aufwand und für die PROMIS-Gruppe größtmöglicher Sorgfalt aufgebaut wurde und auch in der Zukunft stets weiterentwickelt wird. Seine weitere Validation läuft aktuell in unterschiedlichen Studien und wird sich erst in der Zukunft endgültig herausstellen können.

Letztendlich ist das PROMIS in seiner Konzeption und seinen Möglichkeiten mit CAT aber einzigartig und hat das Potenzial die anderen gängigen PROMs, wie beispielsweise den EQ5D, SF-36 u.a., in der Zukunft abzulösen und dadurch die PROs in der klinischen Forschung und Patientenversorgung zu standardisieren und zu revolutionieren.

 

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  1. Zerhouni E. Medicine. The NIH Roadmap. Science 2003;302:63-72.
  2. https://projectreporter.nih.gov/project_info_details.cfm?aid=8151688&icde=35477060. (Accessed August 7th, 2017)
  3. https://projectreporter.nih.gov/project_info_details.cfm?aid=7497133&icde=35477024.(Accessed August 7th, 2017)
  4. https://projectreporter.nih.gov/project_info_details.cfm?aid=7289881&icde=35477024. (Accessed August 7th, 2017)
  5. https://projectreporter.nih.gov/project_info_details.cfm?aid=7126838&icde=35477024. (Accessed August 7th, 2017)
  6. https://projectreporter.nih.gov/project_info_details.cfm?aid=6954183&icde=35477024. (Accessed August 7th, 2017)
  7. https://projectreporter.nih.gov/project_info_details.cfm?aid=7094930&icde=35477024. (Accessed August 7th, 2017)
  8. https://projectreporter.nih.gov/project_info_details.cfm?aid=6878222&icde=35477024. (Accessed August 7th, 2017)
  9. Cella D, Riley W, Stone A, et al. The Patient-Reported Outcomes Measurement Information System (PROMIS) developed and tested its first wave of adult self-reported health outcome item banks: 2005-2008. J Clin Epidemiol 2010;63:1179-94.
  10. Cella D, Yount S, Rothrock N, et al. The Patient-Reported Outcomes Measurement Information System (PROMIS): progress of an NIH Roadmap cooperative group during its first two years. Med Care 2007;45:S3-S11.
  11. Organization WH. Constitution of the World Health Organization. Am J Public Health Nations Health 1946;36:1315-23.
  12. Revicki DA, Chen WH, Harnam N, et al. Development and psychometric analysis of the PROMIS pain behavior item bank. Pain 2009;146:158-69.
  13. Broderick JE, Schwartz JE, Vikingstad G, Pribbernow M, Grossman S, Stone AA. The accuracy of pain and fatigue items across different reporting periods. Pain 2008;139:146-57.
  14. Alwin DF KJ. The reliability of survey attitude measure- ment: the influence of question and respondent attributes. Sociol Methods Res 1991;20:139e81.

About The Author

Phi Long Dang
Medical Content Creator bei heartbeat und Medizinstudent der Charité Berlin.

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