Mrz 05

Wie gut kommen ältere Patienten mit digitalen Befragungen am Tablet zurecht?

Diese 3 Dinge sollte man für eine reibungslose Patientenbefragung am Tablet beachten

Die Vorteile einer digitalen Patienten-Befragung sind offensichtlich: Alle Angaben liegen digital vor, müssen nicht abgetippt oder eingescannt werden und können so direkt in der Sprechstunde und für spätere Auswertungen genutzt werden.

Doch immer wieder werden wir gefragt, wie gut ältere Patienten mit solchen Befragungen am Tablet zurechtkommen? Besonders in Fachbereichen mit einem hohen Anteil älterer Patienten (z.B. der Endoprothetik), ist die Frage nach der Usability und Compliance bei älteren Patienten stets eine der Ersten:

Können ältere Patienten die Anamnese am Tablet beantworten?
Können ältere Patienten medizinische Scores am Tablet ausfüllen?

Spielt das Alter wirklich eine Rolle? Eine Evaluation mit heartbeat ONE

Mit unserem System heartbeat ONE erfassen wir im Rahmen einer digitalen Sprechstunde Anamnesen und medizinische Score bereits im Wartebereich am Tablet. Dank unserer Erfahrung von über 30.000 Patienten, die bisher durch unsere Systeme erfasst worden sind, haben wir inzwischen einen Stand erreichen können, bei dem der Erfolg einer Befragung altersunabhängig ist und fast nur noch von den eigentlichen Inhalten beeinflusst wird.

heartbeat-ONE-Evaluation-Patientenbefragung-am-Tablet

Evaluation der digitalen Befragungen über 250 Patienten

Das obige Diagramm zeigt dabei das Ergebnis einer Evaluation von 250 Patientenbefragungen am Tablet. Gefragt wurde am Ende einer digitalen Befragung im folgenden Wortlaut: „Wie leicht ist Ihnen das Ausfüllen des Fragebogens gefallen?“. Verknüpft man die Antworten der Patienten mit ihrem Alter, zeigt sich zum Einen, dass das Ausfüllen der digitalen Befragung den allermeisten Patienten leicht gefallen ist. Viel entscheidender in diesem Kontext ist jedoch die Tatsache, dass keine Korrelation zwischen Alter und Schulnote besteht.

So lässt sich die eingangs gestellte Frage, ob ältere Patienten mit digitalen Befragungen am Tablet zurecht kommen, mit einem klaren JA beantworten. Im Rahmen unserer Evaluation haben wir gelernt, dass es viel mehr auf eine grundsätzliche Bereitschaft und Neugier im Umgang mit neuen Systemen ankommt:

Wir konnten nicht feststellen, dass eine solche Bereitschaft bei älteren Patienten deutlich weniger Vorhanden ist. Was jedoch altersunabhängig ein entscheidender Aspekt für eine erfolgreiche Befragung war, ist eine nutzerzentrierte und bedienungsfreundliche Umsetzung. Um eine solche Umsetzung zu gewährleisten, achten wir besonders auf die nachfolgenden Aspekte:

1. Wo und wie sollte die Befragung durchgeführt werden?

Bereits bevor die eigentliche Befragung am Tablet starten kann, müssen eine Reihe an Punkten bedacht werden: Wo wird die Befragung durchgeführt? Wie startet der Patient eine Befragung? Wie erfährt das Personal, wenn der Patient fertig ist?

Junger Patient an Befragungsstation heartbeat bridge

Bei guter Umsetzung können digitale Befragungen unabhängig vom Alter der Patienten erfolgreich durchgeführt werden.

Klar ausgewiesene Befragungsstationen können den Patientenfluß fördern und das Personal entlasten. Hierbei sollten sich die Patienten möglichst ungestört auf die Befragung konzentrieren können.

Um auch bei der Befragung mehrerer Patienten gleichzeitig stets den Überblick zu behalten, sollte das Personal den aktuellen Status der einzelnen Befragung einsehen können. Somit kann sichergestellt werden, dass Patienten auch erst nach Abschluss der Befragung ins Sprechzimmer gerufen werden:

heartbeat ONE - Dashboard

So zeigt heartbeat ONE aktuelle Befragungen im Dashboard an.

Auch sollte der Zeitpunkt der Befragung im Rahmen des Anmeldeprozesses möglichst passend gewählt sein. Wie viele Informationen muss der Patient bei seinem Besuch noch entgegen nehmen? Gibt es andere Formulare (digital sowie papierbasiert), welche er zusätzlich ausfüllen muss? Hier sollten die Patienten nicht mit zu vielen Anfragen auf einmal überfordert werden.

Das Ziel sollte es sein, eine digitale Befragung möglichst reibungslos im bestehenden Ablauf zu verankern. Häufig müssen die bestehenden Prozesse jedoch angepasst werden, um eine strukturierte Abfrage aller notwendigen Informationen zu ermöglichen.

2. Gute Usability: Von großen Schriften bis klaren Ansagen

Im Gegensatz zur Befragung auf dem Papier bietet eine digitale Umsetzung die Möglichkeit, Befragungen visuell deutlich besser aufzubereiten. Hier haben wir mit unserer Tablet App heartbeat bridge über mehrere Jahre und inzwischen hunderte Iterationen die Bedienung kontinuierlich optimiert. Besonders wichtig ist dabei der Einsatz einer lesbaren Schriftart und einer angenehmen Schriftgröße. Die Auswahlfelder sollten klar erkennbar sein. Zu jedem Zeitpunkt muss klar sein, wie man weitermachen kann. Dabei hilft es den Patienten sich besser zu fokussieren, wenn sie immer nur eine Frage auf einmal vorgelegt bekommen. Bei einer falschen Antwort muss darüber hinaus klar sein, wie man zurückkommt oder wie man die Befragung im Notfall komplett abbrechen kann. Indem man einen Statusbalken dauerhaft einblendet, erhöht man zudem die Bereitschaft der Patienten, auch längere Bögen vollständig zu beantworten.

Exemplarische Frage in unserer Tablet-App heartbeat bridge

Exemplarische Frage in unserer Tablet-App heartbeat bridge

3. Was muss man bei der Wahl der Fragebögen bei einer Patientenbefragung am Tablet beachten?

Eine digitale Befragung bietet die technische Möglichkeit, Patienten individuelle Befragungen vorzulegen. Je nach Antwort können so weitere Details abgefragt werden. Digitale Fragebögen enthalten daher häufig hunderte Fragen, von welchen der Patient schlussendlich nur einen Bruchteil beantworten muss. Die Entwicklung zielgerichteter Befragungspfade ist daher eine der wichtigsten Aufgaben bei der Einführung einer digitalen Befragung.

Trotz aller Freude über die Technik: der Umfang der Befragung sollte stets so kurz wie möglich gehalten werden. Vor allem wenn die selben Fragen im Rahmen eines späteren Follow-Ups zum Beispiel per E-Mail abgefragt werden, sinkt die Antwortrate bei zu langen Fragekatalogen deutlich.

Fazit

Wann Patienten wo befragt werden, eine gute Usability und ein durchdachtes Fragebogendesign sind die wichtigsten Kriterien für eine gute Akzeptanz. Bei einer gelungen Integration spielt das Alter der Patienten dann auch keine Rolle mehr.

About The Author

Yannik Schreckenberger | |
Founder & CEO, BizDev bei Heartbeat, Hacking Health Berlin Organisator, Physiker und Tech Enthusiast.